Mini-Notebook vom finnischen Telekom-Produzenten
Bereits der Erstkontakt für den Test des Nokia Booklet 3G macht Spaß, denn schon die Verpackung ist außergewöhnlich: Die blaue Schachtel hinterlässt sofort einen sympathischen Eindruck, zumal man im Inneren mit "Hello, hei" begrüßt wird.
Zum Lieferumfang des vom Hersteller nie "Netbook" genannten Computers gehört übrigens auch ein USB-Ladekabel mit Handyanschluss für Geräte von Nokia. Zusätzlich gibt es noch ein Headset mit eingebautem Mikrofon und einem fast schon ohrenschädigenden Bass sowie ein Poliertüchlein, um den Glanz des Geräts zu erhalten. Eine Tasche oder wenigsten Hülle zum teuren Gerät liefert Nokia nicht mit. Jegliche Form von Datenträger sucht man übrigens vergebens - ok, das Netbook hat kein Laufwerk, wohin sollte man eine CD oder DVD auch stecken?
Das Netzteil besitzt ein Kabelmanagement und der Stecker zur Dose wird interessanterweise seitlich angesteckt, was wir so bislang noch nicht gesehen haben. Wahrscheinlich soll dadurch ein versehentliches Ausstecken verhindert werden oder man will Wackelkontakte unterbinden. Apropos Wackelkontakt: Die Verbindung vom Stecker direkt zum Netbook ist nicht perfekt gelöst. Man muss ständig darauf achten, ob tatsächlich Strom fließt. Das hätte Nokia besser lösen können.
Eine kleine Broschüre informiert über die Funktionen des Booklets, wobei grundsätzlich alles beim Booklet 3G selbsterklärend ist. Leider ist der Punkt GPS eine herbe Enttäuschung, denn die sonst vom Hersteller angebotenen OVI-Maps für Handys funktionieren beim Netbook nicht. Es gibt zwar ein kleines App für die Windows-Sidebar, wo man den aktuellen Standort angezeigt bekommt, das wars dann aber schon. Den Komfort eines herkömmlichen Navis erreicht man hier also nicht, zumal das nutzbare Google Maps ja in der Bedienung und dem Funktionsumfang auch nicht das Gelbe vom Ei ist. Der GPS-Chip zeigt den Standort übrigens nur bei eingesetzter SIM-Karte und entsprechendem Netzempfang an.
Beim erstmaligen Hochfahren verlangt das Booklet nach ca 2 Minuten Vorbereitungszeit die Eingabe der Sprache, von Land/Region, Zeit und Währung sowie Tastaturlayout, ganz wie man es von Windows 7 (hier in der Starter-Version) gewohnt ist. Nachdem ein Benutzer- und Computername sowie Kennwort eingegeben wurde, müssen nur noch die Lizenzbedingungen akzeptiert, die gewünschte Updatevariante ausgewählt und Zeit bzw. Datum eingestellt werden, schon kann man ein vorhandenes Drahtlosnetzwerk auswählen. Nach dem zweimaligen Neustart und einigen Minuten Wartezeit, ist das Nokia Netbook praktisch einsatzbereit.
Natürlich müssen noch die üblichen Updates heruntergeladen werden, wofür man entweder auf WLAN oder eine UMTS-Verbindung per SIM-Karte zurückgreifen kann. Auch die vorhandene F-Secure Internet Security 2010 muss neben dem Windows Update aktualisiert werden. Abgesehen von einer MS Office 2007 Testversion für 60-Tage ist der Computer erfreulicherweise nicht mit weiterer Software zugemüllt.
Im Betrieb des Nokia Booklet irritiert den normalen User, dass man von dem stylishen Gerät keinen Ton hört. Nicht einmal bei einem Neustart oder unter Hochlast bemerkt man mehr als ein ganz leises Surren der 1.8-Zoll-Festplatte. Da jeglicher Lüfter fehlt, wird das Alu-Gehäuse zur Abgabe der Wärme genutzt, wobei dieses selbst bei längerem Einsatz nicht unangenehm heiß wird. Daumen hoch für Nokia!
Als eines der wenigen Netbooks hat Nokia einen SIM-Karten-Steckplatz eingebaut, der sich hinter einer Klappe (neben dem SD-Cardreader) befindet. Dieser ist gut zugänglich und nicht irgendwie hinter dem Akku versteckt, wie dies sonst gerne der Fall ist. Die SIM-Chips können übrigens problemlos im laufenden Betrieb gewechselt werden. Selbst nach intensiver Nutzung und unzähligen Standby-Aufwach-Standby-Einsätzen versagte die HSDPA-Nutzung nur einmal den Dienst und wir mussten komplett neu booten. Das ist mehr als zufriedenstellend.
Das Display mit 10,1-Zoll-Diagonale ist im durchaus unüblichen 16:9 Format mit einer hohen Auflösung von 1280 x 720 Bildpunkten ausgeführt, was für die Wiedergabe von TV-Programmen natürlich perfekt ist. Gleichzeitig bekommt man auch mehr Inhalte auf Webseiten angezeigt und kann hier - ähnlich wie beim iPhone - per Multitouch-Zweifingertechnik die Anzeige vergrößern. Insgesamt wirkt das Display etwas zu blass und selbst die unbedingt nötige Korrektur über Betriebssystem und Grafikkarte bringen hier wenig. Dass das Display auch noch spiegelt, erleichtert die Lesbarkeit bei hellem Sonnenlicht nicht unbedingt. Als Ausgleich für dieses Manko gibt es dafür eine HDMI-Schnittstelle, mit der sich alle Inhalte perfekt an einen größeren Monitor umleiten lassen. Die Zusammenarbeit mit LCD-Screen oder Flat-TV funktioniert übrigens bestens.
Serienmäßig ist Bluetooth aktiv, das man natürlich im Sinne einer verlängerten Batterielaufzeit ausschalten sollte. Das dafür nötige Menü kann man über Fn-F10 aufrufen. Was auffällt, ist die Tatsache, dass bei einem verfügbaren WLAN-Netz immer ein blaues Lämpchen blinkt. Wer nur per Handynetz ins Web möchte, kann das Wi-Fi natürlich deaktivieren.
Das Booklet 3G verwendet im Gegensatz zu den meisten Geräten im Netbook-Bereich eine etwas älteren Intel Atom CPU (Z530 mit 1.6 GHz), die zwar nicht besonders schnell ist, dafür aber enorme Betriebszeiten erlaubt. So kann man tatsächlich an die 10 Stunden mit dem Gerät arbeiten, ohne beim Ladegerät andocken zu müssen. Das ist ein absoluter Rekord und auf iPad-Niveau.
Fazit: Das Nokia Booklet 3G ist ein optisch sehr ansprechendes und in der Praxis absolut überzeugendes Netbook zu einem gehobenen Preis, wobei im Sommer 2010 manche Anbieter das Gerät bereits für durchaus angebrachte 500 Euro im Programm haben. Wer nicht unbedingt einen Wieselflinken Computer benötigt, sondern eher auf lange Laufzeit und geringes Gewicht Wert legt, ist damit bestens versorgt. Leider lässt sich der fix verlötete RAM-Speicher von einem Gigabyte nicht erweitern. In Kombination mit Windows 7 Starter reicht die Leistung des Mini-Laptops aber für normale Office-Zwecke, das Internet und Abspielen von Filmen mehr als. Schade ist nur, dass die vorhandenen GPS-Möglichkeiten nicht genutzt werden und bei einem so teuren Gerät keine Schutzhülle beiliegt. Dafür überzeugt aber die Tastatur selbst schnelle Tipper, was bei einem Netbook immer noch nicht selbstverständlich ist. (nurido.at-Redaktion 2010)
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